22.06.2010 - 10:33 Uhr
 

Tannenberg - Grunwald - Žalgiris: Schlachtfeld der Nationalmythen

 
Die kriegerische Auseinandersetzung der Heere des Deutschen Orden und der vereinten Armeen der polnisch-litauischen Union am 15. Juli 1410 sollte die politischen Verhältnisse im Ordensland grundlegend verändern. Heute wissen wir, dass die aus Rittern verschiedener deutscher Gebiete bestehende Armee unter der Führung des Ordenshochmeisters Ulrich von Jungingen von den polnischen, litauischen, ruthenischen, tschechischen und tatarischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Dabei kam neben unzähligen Kämpfern auch der Hochmeister Ulrich von Jungingen ums Leben. Man weiß was der Auslöser des Krieges war und kennt viele andere Zusammenhänge. Diese Fakten sind klar, als Tatsachen in die Geschichte eingegangen und somit unveränderbar. Die politische Bewertung dieses Ereignisses jedoch unterliegt der Auslegung im gesellschaftlichen Kontext des jeweiligen Landes. So entstanden nationale Mythen, welche in Deutschland, Polen und Litauen völlig anders aussehen. Mit diesem überaus interessanten Thema befasste sich am vergangenen Wochenende im ermländischen Olsztyn eine wissenschaftliche Konferenz.

Das Deutsche Kulturforum östliches Europa und die in Olsztyn ansässige Stiftung Borussia luden für drei Tage deutsche, polnische und litauische Gäste sowie Einwohner aus Olsztyn und Umgebung ein, sich gemeinam mit den Nationalmythen rund um die Schlacht von Tannenberg zu beschäftigen.

Eine ähnliche Veranstaltung soll es am 2. und 3. Juli 2010 in Potsdam geben.

Dieses Thema ist sehr kompliziert und nicht in wenigen Worten populärwissenschaftlich zu erklären. Deshalb soll im Ergebnis beider Konferenzen eine Broschüre erscheinen, welche sich mit den Nationalmythen beschäftigt.

Vielleicht nur kurz einige Worte zu diesem Thema: Während in Polen die Schlacht bei Grunwald (in Deutschland als Schlacht von Tannenberg bekannt) seit langer Zeit unter politisch-patriotischen Aspekten benutzt wird und daraus eine nationale Legende wurde, spielt das Ereignis in Deutschland kaum eine Rolle. In den deutschen Schulen wird das Thema Grunwald nur am Rande der mittelalterlichen Kreuzzüge behandelt. Je nach Bundesland unterscheidet sich zudem diese Wissensvermittlung.

Ein weiterer Grund, warum dieses Thema nicht zur politischen Legende wurde, ist die Ausnutzung zu Propagandazwecken in der Zeit des Nationalsozialismus. Dort brachte man die vom Deutschen Orden verlorene Schlacht von 1410 mit dem Sieg der deutschen Armee gegen Russland im Jahre 1914 in Verbindung und erklärte diese als Revanche auf die Niederlage 1910. Dieses Ereignis fand ganz in der Nähe statt. In Folge errichtete man ein Tannenberg-Denkmal, welches heute nicht mehr existiert. Deutsche Truppen sprengten dieses vor ihrem Rückzug.

Mit dem Ende des Dritten Reiches ging auch der deutsche Nationalmythos um die Schlacht von Tannenberg unter.
 

Visuelle Darstellung der Schlachtanordnung von 1410. Fotos: Maik Veit
   

Mutmaßlicher Ort, wo Hochmeister Ulrich von Jungingen gefallen ist.
 
Heutzutage benötigt man diesen Mythos auch nicht, um die Region unter touristischen Aspekten kennenzulernen. Das einstige Ordensland ist in eine wunderschöne Landschaft eingebettet. Ohne große Mühe findet man noch immer Spuren der Kreuzritter, aber auch der Siedler, welche im Mittelalter diesen Landstrich als ihre neue Heimat wählten. Es entstanden Städte und Kirchen, welche im Stile der damaligen Zeit - der Gotik - gebaut wurden.

Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehlen wir thematische Reiseangebote, welche unser Team gemeinsam mit dem Reiseveranstalter welcome2poland vorbereitet hat. Diese finden Sie auf der Internetseite www.entdecke-polen.info.

Es stehen folgende Themen zur Auswahl:

- Route der Backsteingotik - Mittelalterliche Burgen und Städte - Ermland, Masuren und Oberland

- Nikolaus Kopernikus - Domherr und Astronom

- Auf den Spuren der Kreuzritter - Die Schlacht bei Grunwald 1410 und die Burgen des Deutschen Ordens

- Entdecke Olsztyn - Eine Stadt mit vielen Gesichtern.

Die Reisen sind nicht als reine Geschichtsstunden geplant, sondern durch abwechlungsreiche Angebote auch für Familien mit Kindern geeignet.
 

Unpassend zur Umgebung des Schlachtfeldes und kurz vor dem Jubiläum nicht fertig: das Museum der Schlacht von Grunwald.
   

Überreste eine Kapelle, welche nach der Schlacht für die Opfer gebaut wurde.

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