Stadtgeschichte von Olsztyn
Die Landstriche von Ermland und Masuren waren einst von den Pruzzen bewohnt, welche zu den baltischen Völkern gerechnet werden. Etwa im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung kamen die Slawen in die Region der masurischen Seenplatte und begannen die Pruzzen zu verdrängen. Am Fluss Alne (auch Alle genannt) entstand eine Siedlung, welche sich erfolgreich entwickelte. Als der Deutsche Orden im 13. Jahrhundert von Marienwerder (heute Kwidzyn) aus das Ermland eroberte, wurde auch die gewachsene Siedlung am Alle-Fluss interessant.
Im Jahre 1346 begann das Ermländische Domkapitel am Flussufer eine Burg für einen der drei Verwalter dieser Region zu erbauen. Am 31. Oktober 1353 erfolgte durch Johannes von Leysen (auf Polnisch wird er Jan z Łajs genannt) die Stadtgründung von Allenstein (dem heutigen Olsztyn).
Als im Jahre 1410 der Deutsche Orden in der Schlacht bei Tannenberg durch das polnisch-litauische Heer vernichtende geschlagen wurde, wobei der Großmeister des Ordens Ulrich von Jungingen starb, wurde das Ende der Vormacht des Ordens eingeleitet. 1466 übernahm Polen die Verwaltung der Stadt Allenstein.
Einige Jahre später (1516) wurde der in Thorn (Toruń) geborene Nikolaus Kopernikus (auf Polnisch Mikołaj Kopernik) Verwalter der Burg Allenstein. Während dieser Zeit beobachtete er die Bahn der Gestirne und machte die Entdeckung der Tag-und-Nacht-Gleiche, welche den astronomischen Wechsel der Jahreszeiten darstellt. Seine Beobachtungen malte Kopernikus in Form einer astronomische Tafel auf eine Wand im Kreuzgang der Burg. Dieses Bild kann man heute noch besichtigen. In Allenstein blieb er bis 1519, als ein weiter Krieg des Deutschen Ordens gegen Polen begann. Da ging Kopernikus nach Frauenburg (Frombork), kam aber 1520 wieder zurück.
Der große Stadtbrand von 1620 in in die Geschichte ein, weil dabei fast das gesamte Allenstein zerstört wurde.
Während der Schwedischen Sintflut wurde das wieder aufgebaute Allenstein im Jahre 1656 von den Schweden besetzt.
Nach der Ersten Polnischen Teilung übernahm im Jahre 1772 die preußische Armee Allenstein, was die lange Zeit der Deutschen im Ermland einleitete.
Während des französischen Krieges gegen Preußen und Russland besetzte im Jahre 1807 die Armee des Kaisers Napoleon für kurze Zeit die Stadt Allenstein. Nach dem Ende dieses Krieges entwickelte sich die Stadt unter preußischer Verwaltung sehr erfolgreich. Im Jahre 1872 wurde Allenstein an die Bahnlinie der Preußischen Ostbahn angeschlossen, was für weitere wirtschaftliche Impulse sorgte.
1905 wird Olsztyn eine Bezirkshauptstadt im kaiserlichen Deutschland. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und des daraus resultierenden Friedensvertrages von Versailles gab es in Allenstein eine Volksbefragung über die Zugehörigkeit der Stadt. 98 Prozent der Bevölkerung entschied sich für einen Verbleib in Preußen.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört Allenstein auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens zur Republik Polen und bekam den Namen Olsztyn. Nachdem die Stadt wieder aufgebaut war, begann die Entwicklung zu einer der polnischen Verwaltungszentren.
Heute ist Olsztyn eine Stadt mit reichlich 170.000 Einwohner und Hauptstadt der Woiwodschaft Warmińsko-Mazurskie (Ermland und Masuren).
Olsztyn ist jetzt neben einem Verwaltungszentrum auch eine Stadt der Bildung (u.a die große ermländisch-masurische Universität - Uniwersytet Warmińsko-Mazurski) und der Kultur (Philharmonie, Theater, Puppentheater). Darüber hinaus findet man hier zahlreiche Museen und touristisch interessante Sehenswürdigkeiten.
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