Das Ermland: Kulturraum mit einzigartiger Geschichte

 

Was man heute als Ermland bezeichnet, ist eine von großen Waldgebieten geprägte leicht hügelige Landschaft. Begrenzt wird diese im Norden von der Elbinger Hochebene, im Osten von den Masuren, im Süden dem Kurpenland - keine deutsche Version - (als Grüner Urwald bekannt) und im Westen wird das Ermland von einem Teil Westmasuren und dem Oberland umringt.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich jedoch die geografischen Grenzen. Die nördlichste Ausdehnung des Ermlandes bis zu den heutigen Städten Frombork und Braniewo am Frischen Haff und blieb unverändert. Der schmale südliche Streifen wurde rechts und links von zwei Flüssen begrenzt: der Alle (heute Łyna) und der Drewenz (Drwęca). Später erweiterte sich das ermländische Gebiet.

Die Geschichte des Ermlandes begann schon recht früh. Schon zur Eisenzeit war dieses Gegend besiedelt. Bereits um das Jahr 960 herum haben in der heutigen Region Warmia (Ermland) heidnische pruzzische Völker gelebt. Von den Stammesnamen abgeleitet blieben bis heute Namen die von Subregionen in Erinnerung. Die Bezeichnungen Natangen, Pomesanien, Sassen, Pogesanien oder Warmien haben Sie sicher schon mal gehört. Insgesamt geht man in der Geschichtsschreibung von zwölf Stämmen aus. Die Pruzzen gehörten zu den baltischen Völkern, waren Heiden und wohnten in größeren Siedlungen, welche Lauksa genannt wurden. Die einzelnen Höfe hießen Kajmy. Und gerade an diese Namen angelehnt bekamen Dörfer in der Gegend ihre Namen: Karkajmy , Mingajmy oder Redykajmy.

Um das Jahr 996 herum begann die Zeit der Christianisierung der Pruzzen, was mit einer Unterwerfung endete. Der später heilig gesprochene Adalbert von Prag wurde während einer Missionsreise 997 von den Pruzzen erschlagen. Auch Bruno von Querfurt, der erste Bischof des Ermlandes, stirbt im Jahre 1009 einen Märtyrertod.

Später versuchen polnische Könige erfolglos die pruzzischen Stämme zu christianisieren. Im Jahre 1226 bittet Konrad von Masowien den Deutschen Orden um Unterstützung gegen die heidnischen Pruzzen. Als Kaiser Friedrich II. mit der Goldbulle von Rimini die Vollmacht erteilt, ist das Beginn der erfolgreichen Eroberung pruzzischer Gebiete, welche 1283 als abgeschlossen gilt. Das Ermland gehört dann zum Deutschen Orden.

Bei der Verwaltung der Regionen unterschied sich das Ermland von den übrigen Landstrichen: das Ermland wurde zum Fürstbistum, welches in Kammerämter aufgeteilt wurde. Drei von denen gehörten zum weltlichen Ermländischen Domkapitel, die übrigen den jeweiligen Bischöfen des Ermlandes. Mit den Bischöfen, welche aus verschiedenen deutschen Landen hierher gesandt wurden, kamen aus neue Siedler ins Ermland.

Die folgende geschichtliche Entwicklung sorgte für weitere Unterschiede zwischen den Regionen Ermland und Masuren. In der Reformationszeit wurde ganz Masuren evangelisch, während das Ermland weiter den katholischen Glauben behielt. Der Grund dafür ist, dass das Ermland bei seiner Entstehung direkt dem Papst unterstellt war.

Im Jahre 1772 verlor das Ermland in Folge der Ersten polnischen Teilung seine Unabhängigkeit und wurde dem preußischen Staat als Ostpreußen angegliedert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Grenzen neu gezogen (Potsdamer Konferenz). Die deutschen Bewohner mussten das Polen zugesprochene Land verlassen. In das Ermland wurden aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten (Kresy) in Weißrussland und der Ukraine vertriebene Bewohner umgesiedelt. Dies sorgte für eine Vermischung der Traditionen, der Folklore und der regionalen Küche.

In den Jahren nach dem Krieg wurde in Polen hervorragendes geleistet und die zerstörten historischen Bauwerke (Burgen, Kirchen und sonstige Architektur) wieder aufgebaut. Dazu kamen Menschen aus dem ganzen Land zu Arbeitseinsätzen. Pfadfinder aus der großpolnischen Region Konin beispielsweise, die am Wiederaufbau der Stadt Frombork mithalfen.

Heute entdeckt man zunehmend mehr die einzigartigen ermländischen Traditionen und die historische Bauwerke als Möglichkeit, Touristen mit der Geschichte der Region bekannt zu machen. Es wird aber noch Jahre dauern, bis die städtebaulichen Fehler aus der Zeit der Volksrepublik beseitigt sind. Noch mehr Zeit ist erforderlich, bis die einfache Bevölkerung den historischenWert ihrer Häuser (besonders in den denkmalgeschützen Stadtkernen) erkennt und die finanziellen Mittel hat, um eine sachgerechte Sanierung durchzuführen.


Hintergrundinformationen: Die gesamte polnische Geschichte

 

 

 

 

 

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